Normalerweise beschränken wir uns ja hier wirklich auf Berichte über uns und unsere Pferde, manchmal noch Pferdiges aus Netz und TV. Aber was ist in diesen Wochen hier schon normal?
Naja, und ausnahmsweise will ich mal wieder politisch werden. Es geht um ein Thema, dass für alle Internetnutzer relevant hat, an dem man aber nicht vorbeikommt, wenn man sich nicht mit IT oder Netzpolitik beschäftigt. Es geht um das Thema Netzneutralität.
Ich versuche es technisch und politisch ganz einfach zu halten:
Immer wenn ihr eine Website aufruft oder eine Email verschickt, werden diese in kleine Datenpakete geschickt und an Euren Netz/Telefonanbieter übergeben und irgendwann kommen diese Pakete an ihrem Ziel an. Dabei gilt das Prinzip FirstIn FirstOut. Die Pakete die den Anbieter zuerst erreichen, werden zuerst weiterverarbeitet. Die Ausnahme bildet hier Internettelefonie/VOIP weil wir ja in Echtzeit und möglichst ohne Ruckler telefonieren wollen. Diese Datenpakete sind besonders gekennzeichnet und werden priorisiert behandelt.
Soweit so gut. Wenn ich bei Amazon kaufe, bezahlt Amazon seinen Internetprovider und ich den meinen. Beide Internetprovider bezahlen noch größere dazwischenliegende Datentransporteure, sofern es keinen gemeinsamen Datenaustauschpunkt zwischen beiden Providern gibt.
Das ist die Netzneutralität, egal wer ein Paket abschickt oder anfordert, alle werden chronologisch abgearbeitet und mit maximaler Geschwindigkeit durch die Netze geleitet.
Jetzt kommen aber die Telefonanbieter und sagen sich:"Wir müssen unsere Netze ausbauen, weil der Datenverkehr immer weiter wächst und tätigen Investitionen, die wir nicht zurückkriegen. Und verdienen tun die anderen." Und der Datenverkehr wächst Dank vieler Bilder bei Facebook, Videos in den Portalen usw usw.
Und jetzt denken sich die Provider, sie könnten doch einfach die Inhalteanbieter aus ihren Netzen aussperren bzw. deren Datenpakete mit geringerer Priorität behandeln. Wenn jetzt also ein großer deutscher Provider wollte, könnte er einfach bestimmte Anbieter aussperren, sofern sie zahlungsunwillig sind.
Und was wird wohl Amazon sagen, wenn da ein Provider mit 20 Millionen Kunden kommt und sagt:"Entweder du zahlst oder du kommst an unsere Kunden nicht mehr oder nur langsamer heran."
Und ganz klar: Würde Amazon 5 Minuten Ladezeiten haben, kaufe ich da nicht mehr ein.
Für uns als Kunden gibt es da einige Nachteile: Zum einen werde ich als Kunde meines Providers zur Verhandlungsmasse. Zum anderen wird es dann demnächst Fußnoten geben: Folgende Inhalteanbieter sind über unser Netz nur mit Maximal x kbit/s zu erreichen. Und folgende Anbieter sind gar nicht erreichbar.
Und wie läuft das denn, wenn ich in einem 24 Monatsvertrag feststecke und mein Anbieter auf einmal Youtube sperrt, weil die sich nicht einigen können?
Wie bekomme ich mit, was im Internet ich erreiche und was nicht?
Auf der anderen Seite muss ich natürlich mit einer Preissteigerung für unsere Website rechnen, weil unser Webhoster ja auch höhere Kosten hat, um unsere Seite weltweit zur Verfügung zu stellen.
Und es ist ja nun auch so, dass wir in Köln zum Beispiel Netcologne haben, die massiv den Ausbau der DSL Leitungen forcieren, die aber aufgrund ihres Lokalen Einzugsgebiet,eine geringere Kundenzahl haben, und damit bei den Inhalteanbietern nicht soviel Geld fordern könnnen, und damit weiter im Konkurrenzkampf zurückgeworfen werden.
Neue Hypes wie twitter werden es viel schwerer haben, sich durchzusetzen, weil einfach mehr Kapital notwendig wird.
Soweit die Hintergründe. Wie ist denn die aktuelle Lage? Die großen Internetprovider haben auf EU-Ebene durchgesetzt, dass die Mitgliedsländer der EU ihre TK-Gesetze entsprechend anpassen müssen. Ansonsten sieht man auf politischer Ebene nicht die Gefahren, die ich hier aufgelistet hat,sondern geht davon aus, dass der Markt es zum Vorteil aller Mitglieder regeln wird.
Wer es glaubt wird selig.
Falls ich irgendeinen Punkt nicht ausführlich genug behandelt habe, fragt bitte in den Kommentaren nach.